Modularisierte Ausbildung

    • Offizieller Beitrag

    Stichwort „Modularisierte Ausbildung“: mit abgeschlossenen Bausteinen zu einer anerkannten Ausbildung. Wie kann dieses Konzept den Ausbildungsweg von Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterstützen?



    Ein verwandtes Thema ist auch die Frage nach einer "abgestuften Ausbildung" nach dem Deutschen Qualitätsrahmen (DQR).


    Das Thema erreichte das Projektteam per E-Mail.

  • Um die beruflichen Teilhabechancen behinderter Jugendlicher zu erhöhen, ist es einerseits erforderlich, den Kreis der ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Betriebe zu vergrößern und die Ausbildung dort gezielt von außen zu unterstützen. Damit würden auch behinderte Jugendliche von den besseren Integrationsleistungen einer betrieblichen oder zumindest stärker betrieblich ausgerichteten Ausbildung profitieren. Andererseits gilt es, den Einstieg in eine Berufsausbildung niedrigschwellig zu gestalten, Unterstützungsleistungen spezifischer auf den individuellen Bedarf des einzelnen Jugendlichen abzustellen und – je nach Entwicklung der Jugendlichen – Übergänge zwischen verschiedenen Teilhabeleistungen und Ausbildungsformen reibungsloser als bisher zu ermöglichen. Auch von einer besseren Durchlässigkeit und Anschlussfähigkeit berufsvorbereitender Maßnahmen zur Dualen Ausbildung würden behinderte Jugendliche profitieren.
    Für diese Aufgabenstellung bieten Ausbildungsbausteine und modulare Strukturen der Ausbildungsorganisation vielfältige Ansatzpunkte:

    • Sie bieten behinderten Jugendlichen einen erleichterten Einstieg in das Berufsleben, indem die Ausbildung anhand von Bausteinen in überschaubarer, kleinschrittiger und an das individuelle Lernpotenzial angepasster Form absolviert werden kann.
    • Sie sind geeignet, behinderte Jugendliche an die betriebliche Praxis und an berufliches Lernen heranzuführen und ihre Aktivierungschancen auszuloten.
    • Sie ermöglichen eine bessere Anrechenbarkeit erworbener Kompetenzen und eröffnen neue Chancen für behinderte Jugendliche, das ihrem Leistungspotenzial entsprechende höchstmögliche Qualifikationsniveau zu erreichen.
    • Sie schaffen die Voraussetzungen dafür, dass kleine und mittlere Unternehmen vermehrt behinderte Jugendliche ausbilden können, da diese nur für abgegrenzte Teile der Ausbildung verantwortlich sein müssen.

    Im Projekt TrialNet wird von 2009 bis 2015 die Ausbildung behinderter junger Menschen mit Hilfe von Ausbildungsbausteinen erprobt. Damit soll u.a. das Potenzial von Ausbildungsbausteinen und modularen Strukturen für eine flexiblere und betriebsnähere Gestaltung der Ausbildung behinderter Jugendlicher und für die Durchlässigkeit zwischen unterschiedlichen Lernorten und Teilhabeleistungen untersucht werden. Das f-bb koordiniert dieses vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages geförderte Projekt und ist für die wissenschaftliche Begleitung verantwortlich. Projektpartner sind die Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke (BAG BBW), verschiedene Bildungsdienstleister sowie – in beratender Funktion – die Universität Hamburg.
    Details zum Projekt finden Sie auf www.trialnet.de. Dort sind auch die Veröffentlichungen zum Projekt zu finden. Unter anderem beschreibt eine Broschüre Praxisbeispiele und Erfahrungen aus der Arbeit mit Ausbildungsbausteinen (pdf). Ein Sammelband mit Ergebnissen in der Reihe Wirtschaft und Bildung sowie ein Leitfaden für die Bildungspraxis befinden sich aktuell in Vorbereitung.

  • TrialNet ist spannend und ein guter Ansatz. Aber nicht alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind "für die im Projekt vorgesehenen Ausbildungsberufe geeignet" (TrialNet). Was bieten wir diesen Jugendlichen, die meist Menschen mit sogenannten geistigen Behinderungen sind? Ich vermise Verbesserungen von Teilhabechancen für diese Menschen mit Behinderungen in der Arbeitswelt. Deshalb auch die Frage nach "abgestuften Ausbildungen nach dem DQR". In den WfbM und Eingangsverfahren gibt es ein buntes Durch- und Nebeneinander mit sicherlich viel Engagement und lokal spannenden Ansätzen. Aber viel weiter sind wir da grundsätzlich noch nicht.

  • Ich sehe bisher im Werkstattbereich auch eher einzelne interessante Ansätze. Zwar wird vielfach mit modularen Konzepten gearbeitet, die sich aber zumeist nicht an bundeseinheitlich geregelten Qualifikationen wie z.B. den Ausbildungsbausteinen des BIBB orientieren und Abschlüsse im Regelsystem zum Ziel haben.

  • Modularisierte Ausbildungsbausteine allein werden nicht dazu führen, dass mehr Menschen mit Behinderung eine Ausbildung erfolgreich abschließen. Dafür ist vor allem eine individuelle Unterstützung beim Erwerb theoretischen Wissens erforderlich. Fehlt diese, werden auch einzelne Bausteine nicht die gewünschte Wirkung haben. Die Unterstützung muss individuell festgestellt werden. Es reicht nicht, den betroffenen Auszubildenden z.B. pauschal 2 Stunden pro Woche Förderunterricht zu gewähren. Die Bildungsinhalte müssen so aufbereitet werden, dass sie auch für Menschen mit Lernschwierigkeiten erlernbar sind.
    Übersehen werden darf auch die Gefahr nicht, dass eine modularisierte Ausbildung zu neuen „Behindertenberufen“ führen kann. Aus diesem Grund gibt es auch viele Vorhalte gegenüber einer modularisierten Ausbildung.