Wer hilft den Betroffenen, wenn es mit der inklusiven Ausbildung schwierig wird?

  • Wer und wie wird sich um den Auszubildenden/die Auszubildenden gekümmert, wenn es Schwierigkeiten gibt? Gibt es Beratung von Betroffenen für Betroffene (Peer Couseling)?
    Wie werden die inklusiven Auszubildenden bei der Ausbildungssuche persönlich unterstützt?
    Wer unterstützt die Auszubildenden bei der Suche nach einem Arbeitsplatz - je nach Grad der Einschränkung -? Wer hilft beim späteren Berufseinstieg? Gibt es ein sogenanntes Seniorprojekt, um jungen behinderten Menschen zur Seite zu stehen?

  • Das sind sehr viele Fragen und die Antwort fällt nicht leicht. Grundsätzlich fehlen verlässliche und flächendeckende Angebote. Es gibt eine Reihe von Modellprojekten, die punktuell Unterstützung leisten.
    Da eine inklusive Ausbildung leider etwas völlig Neues ist, fehlen auch die so wichtigen Begleitangebote.
    Ein interessantes Peer Mentoren Projekt gibt es bei der Hamburger Arbeitsassistenz.
    http://www.hamburger-arbeitsassistenz.de/projekte/peer/
    Für Ausbildungs- bzw. Arbeitsplatzsuche gibt es leitungsfähige Anbieter – die Integrationsfachdienste, die aber nur tätig werden können, wenn sie von einem Kostenträger beauftragt werden. Hier ist eine entscheidende Schwachstelle, da sich Betroffene nicht selbst bei den IFD`s melden können.
    Wichtig ist ebenso eine Durchlässigkeit verschiedener Maßnahmen. So müssen - wenn sichtbar wird dass eine Ausbildung nicht erfolgreich abgeschlossen werden kann - andere Maßnahmen bzw. Angebote unbürokratisch in Anspruch genommen werden können. Fehlt diese Durchlässigkeit, wird die Bereitschaft sich auf etwas Neues einzulassen nur gering sein.

  • Im Rahmen unserer Projekte haben wir häufig die Erfahrung machen können, dass die Auszubildenden mit Behinderung selbst viel zu wenig in den Prozess der Lösungsfindung mit einbezogen werden. Dabei haben sie häufig als "Experten in eigener Sache" - auch in jungen Jahren - bereits eine Menge Erfahrungen sammel können, bedingt auch durch die sicherlich oft auch nicht ganz einfachen Schulbiographien, auf die zurückgeblickt wird.
    Gute Erfahrungen haben wir auch mit der Unterstützung durch das Berufsbildungswerk sammeln können, das uns auch dann seine Expertise zur Verfügung gestellt hat, wenn es nicht mehr um die Anbahnung eines Ausbildungsverhältnisses ging. Beispielsweise wurden erst während der Ausbildung Lern-Schwierigkeiten offenbar, und wir konnten mit Hilfe einer Potenzialanalyse, die das BBW für uns durchgeführt hat, zum einen ermitteln, ob das Ausbildungziel überhaupt erreicht werden konnte, und zum anderen klären, welchen Unterstützungsbedarf der Auszubildende genau hatte.