Wie erfolgreich ist das Konzept „Prävention vor Reha vor Rente“?

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      Aus meiner Sicht sind für die Bewertung des Erfolges des Konzepts "Prävention vor Reha vor Rente" zwei Gesichtspunkte wesentlich. Zum einen ist das Konzept erfolgreich, wenn es uns gelungen ist, flächendeckend und für möglichst viele Menschen Präventions- und Reha-Leistungen anzubieten, wenn sie diese brauchen. Vor allem bei Präventionsleistungen müssen wir noch einiges tun, damit diese Leistungen selbstverständlicher Bestandteil unserer Gesundheitsversorgung werden und überall zur Verfügung stehen. Zum zweiten ist es für das Konzept dann ein Erfolg, wenn wir mit Prävention den Eintritt und den Verlauf chronischer Erkrankungen individuell und auch für die Gesamtheit von Patienten positiv beeinflussen können. Qualifizierte Leistungen zur medizinischen Rehabilitation werden trotzdem nötig bleiben.

      Eine interessante Studie zur Wirksamkeit medizinischer Reha-Leistungen bei chronischem Rückenschmerz hat zu Jahresbeginn das Institut für rehablitationsmedizinischen Forschung (IFR) aus Ulm um Prof. Gert Krischak vorgelegt. Sie weist nach, dass die direkten und indirekten Krankheitskosten bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen nach einer medizinischen Reha im Vergleich zu Patienten mit identischem Krankheitsprofil aber ohne medizinische Reha deutlich niedriger sind.
      Dass das „Konzept: Prävention vor Reha vor Rente“ per se erfolgreich ist, dürfte mittlerweile allseits unbestritten sein. Zitieren lässt sich hier beispielsweise seitens der gesetzlichen Rentenversicherung: Eine erfolgreiche Rehabilitation ist ein Gewinn für alle Beteiligten. Der Versicherte kann seine gesundheitlichen Probleme bewältigen und weiterhin einem Beruf nachgehen; der Arbeitgeber kann weiterhin die Erfahrung und Arbeitskraft seines Mitarbeiters nutzen; die Rentenversicherung erspart sich die Rentenzahlung und behält einen Beitragszahler. Nach Feststellung der Rentenversicherung beenden 85 % der Personen ihre Rehabilitation erfolgreich und sind im Anschluss wieder erwerbsfähig.

      Gleichzeitig ist es fast schon eine Binsenweisheit: Prävention (wie Gesundheitsförderung) und medizinische Rehabilitation sind nur soweit erfolgreich, wie (recht)zeitig damit begonnen – generell je früher desto besser – wird und in welchem Maß letztlich dann der Einzelne sich nach dem vorher Ge-/Erlernten auch in seinem weiteren Leben richtet; was jedenfalls die medizinische Rehabilitation betrifft, kann man mithin sagen, dass der wichtigste Teil der Reha zu Hause bzw. im Alltag des Menschen stattfindet. Für präventives im Sinne Gesundheitsrisiken vermeidendes Verhalten gilt dies selbstverständlich in gleicher Weise. „Erfolg“ solchen gesundheitsbewussten Lebens ist in exakten Messzahlen so allerdings – wenn überhaupt – kaum eindeutig und allgemeingültig abbildbar. Der „Grad des Erfolges“ im Einzelfall ist vielmehr von vielen Faktoren abhängig, z.B. ob ein unterstützendes soziales Umfeld vorhanden ist und wie gut die durch vorangegangene präventive oder rehabilitative Leistungen/Maßnahmen erreichten Ergebnisse letztlich auch nachgehalten werden (können). Um beispielsweise den Erfolg eines Präventionsprogramms (z.B. Prävention von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen) abschließend beurteilen zu können, bedarf es gerade bei Kindern und Jugendlichen - entwicklungsbedingt – aber auch schon von vornherein längerer Zeiträume.
      Dr. Thomas Stähler
      Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e. V. (BAR)