Wie wird die individuelle Lebenslage von Studierenden mit Behinderungen oder chronischen Beeinträchtigungen berücksichtigt, z. B. mit Kind, mit Migrationsgeschichte oder ohne familiäre Unterstützung?

  • Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V.: Beim Studium mit Behidnerung gibt es nach wie vor großen Nachholbedarf. Manche Studiengänge bieten beispielsweise erschwerten Zugang zu Bibliotheken (mit aufwendigen Schlüsselanforderungen), sind im Falle von Humanmedizin generell wenig inklusiv gedacht und teils von struktureller und institutioneller Diskriminierung geprägt. Gerade bei Übergängen ins Erwerbsleben ergeben sich Brüche. Teils ergeben sich Lücken bei der Zuständigkeit der Finanzierung von Arbeitshilfsmitteln. Relativ gut funktionieren Nachteilsausgleiche bei Prüfungen.

  • Intersektionalität ist ein wichtiger Aspekt, der bei der Unterstützung von Studierenden mit Behinderungen berücksichtigt werden muss. Behinderung in Kombination mit Migrationshintergrund oder niedrigerem sozialen Hintergrund stellt besondere Herausforderungen dar. Daher ist eine flexible Studienorganisation entscheidend, um Studierende sowohl bei gesundheitlichen Bedürfnissen als auch bei Betreuungsverpflichtungen, etwa für Kinder, zu unterstützen.

    Diese Flexibilität sollte jedoch durch bessere finanzielle Fördermöglichkeiten begleitet werden, da eine flexible Studiengestaltung mitunter zu längeren Studienzeiten führen kann. Es ist daher wichtig, dass Förderungen über die reguläre Regelstudienzeit hinaus gewährleistet werden.

    Ein weiteres Problem, das viele Studierende mit Behinderungen betrifft, ist die mangelnde Integration ins Hochschulsystem. Mentoring- oder Buddy-Programme, bei denen Studierende jeweils einer anderen Person zugeordnet werden, könnten hierbei unterstützen. Solche Programme fördern nicht nur die Integration, sondern sensibilisieren auch andere Studierende für die spezifischen Herausforderungen und tragen dazu bei, die Hochschulumgebung insgesamt inklusiver zu gestalten.

    Dr. Shweta Mishra

    Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (DIFIS)