Team Ich kann hier erneut auf exemplarische Erfahrungswerte von Universitäten und Fach-Hochschulen in der gesamten DACH-Region verweisen, von denen uns einst berichtet wurde. So wurden uns Elemente wie z.B. explizite Hinweise von Lehrenden in Einführungsveranstaltungen genannt, weiters Info-Stände zu Semesterbeginn, intensiv ausgearbeitete Leitfäden (Bsp.: STUDIUM INKLUSIV der Goethe-Uni in Frankfurt), moderierte Mentor:innen-Programme, regelmäßige Stammtische, hochschulweite Thementage u.v.m.
Meiner Ansicht nach ist fortwährende Sichtbarkeit und Erwähnung zur Existenz der Beratungsleistungen sowie -instanzen sowie die Sichtbarkeit von Expert:innen in eigener Sache, die in Peer-to-Peer-Netzwerken rundum diese Beratungsinstanzen aktiv sind, der Schlüssel zu mehr Nutzung. Je besser es dabei gelingt, auf sichtbare wie unsichtbare Behinderungen, unabhängig vom GdB, hinzuweisen - dabei denke ich an chronische Erkrankungen, Mental-Health-Thematiken sowie Neurodivergenz, was je nach Ausprägung auch als Behinderung anerkannt ist - desto mehr wird sich nach und nach die Relevanz der Beratungsleistungen und -instanzen herumsprechen.
Beiträge von Stefanie Kirwald
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Darf ich angesichts der hier gestellten Frage noch ganz offen meine eigene Reise als Beispiel heranziehen,
an der sich vielleicht relevante Antworten - zumindest für unsichtbare, im späteren Leben erworbene Behinderungen und Erkrankungen - ableiten lassen:
- Ich weiß um den Schrecken und die Unsicherheit, die eine Diagnose in einem auslösen kann. Mit Anfang 30 habe ich gehört, dass ich Morbus Crohn habe. Ich bin damit geboren, wusste es aber in meinen ersten Lebensjahrzehnten nicht.
- Ich weiß, dass es Zeit braucht, dies überhaupt als essentiellen Bestandteil seiner Selbst zu akzeptieren. Dies geht häufig nicht von heute auf morgen, es ist ein langwieriger Prozess.
- Ich kenne zudem diese Angst vor Diskriminierung, Ablehnung und Unterschätzung aufgrund der eigenen Erkrankung, insbesondere im beruflichen Umfeld. Aufgrund dieser Angst habe ich anfänglich beschlossen, dies nicht zu thematisieren. Es war eh' nicht entscheidend für meine Aufgabenbereiche, aber dies hatte zur Folge, dass ich mich mit diesem "Makel" doppelt und dreifach beweisen wollte. Und dies war wiederum eher ungünstig für meine gesundheitliche Stabilität.
- Ich weiß auch um die Ernüchterung, die emotionale Achterbahnfahrt und auch die Wut, als nach einer unvorhergesehenen medizinischen Notwendigkeit – die für mich vor den Kolleg:innen wie ein „Zwangs-Outing“ war – dann mitgeteilt bekommt,
dass mein Arbeitsvertrag nicht verlängert wird. So also fühlt sich Diskriminierung an, dachte ich mir, und dabei weiß ich bis heute nicht, was letztlich der Auslöser für diese Entscheidung war. Wir konnten einfach nicht gänzlich offen miteinander kommunizieren.
- Letzten Endes hat all' dies den Mut und die Erkenntnis in mir reifen lassen, mich ab einem bestimmten Zeitpunkt pro-aktiv in Bewerbungen und im Kolleg:innen-Kreis zu meiner Erkrankung und meinem Umgang damit mitzuteilen. Ich habe mir damit die Kontrolle über diesen Lebensbereich zurückerobert. Und dabei erfahren: Wenn das Umfeld ganz selbstverständlich den mir eigenen Rahmen ernstnimmt und würdigt, mir Flexibilität und Freiräume für meine gesundheitlichen Belange einräumt, dabei stets die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen in den Mittelpunkt stellt und mir einfach Unterstützung signalisiert, dann fällt mir doch bildlich gesprochen ein tonnenschwerer Ballast von den Schultern. Und beide Seiten haben ein starkes, von gegenseitigem Respekt, Loyalität und Einstehen füreinander geprägtes Fundament im Arbeitsleben gewonnen.
- All‘ dies war für mich ein persönlicher, fünfjähriger Reifungsprozess von Anfang bis Mitte 30.
Wenn wir diesen Entwicklungsprozess am eigenen Leibe durchlaufen haben, dann können wir auch Menschen gut begleiten und inspirieren, die sich für eine Berufslaufbahn noch inmitten dieser Reise befinden - ob nun als Betroffene oder als Firmen-Vertreter:in. Wir alle können Inklusion - gemeinsam! Wenn wir es schaffen, uns aufrichtig aufeinander einzulassen. -
Vielleicht an dieser Stelle ein Hinweis auf unsere Portale und Kanäle,
wo wir die Herausforderungen für Menschen mit Behinderungen beim Einstieg oder auch Wiedereinstieg ins Berufsleben inhaltlich aufgreifen, diese sind jeweils kostenfrei und unabhängig vom GdB nutzbar:- myAbility.jobs (@myability.jobs) • Instagram-Fotos und -Videos
- myAbility.jobs auf (13) Facebook
- Startseite | Karriereportal myAbility.jobs mit Bewerbungstipps, News, Mustervorlagen für Unterlagen, Erfolgsgeschichten
- Karriere-Newsletter ca. 10x/Jahr für eine #KarriereOhneBarriere, nachfolgend die Anmeldemaske hinter unserem Firmennamen: myAbility Social Enterprise GmbH
- Barrierefreies Karriereprogramm myAbility Talent Programm | Karriereportal myAbility.jobs
- Inklusives Job-Portal mit regulären Jobs bei inklusionsoffenen Firmen und Organisationen:
Startseite | myAbility.jobs | Jobs für Menschen mit Behinderungen
Für inhaltliche Rückfragen zu den einzelnen Elementen stehe ich Ihnen allen sehr sehr gerne zur Verfügung!
Vielleicht für Sie alle noch zu wissen: Wir sind aufgrund sehr persönlicher Lebenswege einst entstanden
und die Hälfte unseres inklusiven Teams lebt selber mit einer Behinderung, einer chronischen oder psychischen Erkrankung oder mit einer Diagnose aus dem neurodivergenten Spektrum. Ich selber lebe mit einer unsichtbaren CED (chronisch-entzündlichen Darmerkrankung). -
Die Fragestellungen, die wir von an unserem Karriereprogramm http://www.myabilitytalent.org teilnehmenden Privatpersonen wiederholt wahrnehmen, konzentrieren sich um Aspekte wie:
- Welche Vorteile hat es, meine (chronische) Erkrankung in der Arbeit offenzulegen?- Ich lebe mit einer unsichtbaren Behinderung – wie spreche ich das offen am Arbeitsplatz an?
- Wie beantworte ich die Frage: „Was brauche ich, um gut arbeiten zu können?“
- Welche Fragen sollte ich Unternehmen stellen, um herauszufinden, ob sie zu mir passen?
Es geht da sehr häufig um den selbstbewussten Umgang mit der eigenen Diagnose, um die Frage "Sag' ich's oder sag' ich's nicht?", um das Identifizieren, Finden und Kontaktieren von inklusionsoffenen Firmen und Organisationen, sowie um eine souveräne und kompetenzbasierte Selbstpräsentation, bei der die individuellen Anforderungen an ein optimales Arbeitsumfeld durchaus offen angesprochen werden.
Denn wer ist hier im Zuge eines Bewerbungsprozesses Expert:in für das eigene Sein und Können, wer kennt sich am besten mit den eigenen Anforderungen, dem individuellen optimalen Rahmen in der Arbeitswelt aus? Und wer ist hier im Dialog denn dann Lernende:r? Auch dies versuchen wir sowohl Jobsuchenden wie Unternehmens-Vertreter:innen zu vermitteln.
Die oben genannten Aspekte sind verlinkt mit Postings auf einem unserer Social Media-Kanäle.
Diese nutzen wir, um u.a. Fragestellungen, bei denen unsere Talent Manager:innen Privatpersonen begleiten, medial aufzugreifen und anonymisiert in der Community der Menschen zu verbreiten, für die eine #KarriereOhneBarriere von Relevanz ist. -
In Ergänzung zum Beitrag von Herr Reinemer möchte ich darauf hinweisen, dass meiner Erfahrung nach u.a. Studienberatungen, die vorhin genannten Beauftragten sowie die Career Center hier innerhalb der Universitäten und Fach-Hochschulen ihre Kräfte und Erfahrungen bündeln, Synergien nutzen können. Career Center sind meinem Eindruck nach eher bei Fragestellungen von Absolvent:innen für reine Bewerbungsprozesse etc. als Ratgebende involviert, aber weniger firm mit Fragestellungen und Anforderungen, die eine Behinderung, Erkrankung, ein neurodivergenter Hintergrund jeweils individuell am Arbeitsplatz mit sich bringen können. Umgekehrt sind Studienberatungen und Beauftragte teils mit praktischen Fragen zum Berufseinstieg konfrontiert, wo wiederum die Career Center ergänzend auftreten können.
Da ich selber einst bei der größten Technischen Universität in den Niederlanden gearbeitet habe, kenne ich grundsätzlich universitäre Strukturen und sehe stets mit großer Freude, wenn die verschiedenen Erfahrungswerte aus den o.g. Bereichen zusammenkommen, um Studierende zum Berufseinstieg zu unterstützen. Ich habe bereits wiederholt Info-Sessions gehalten bei Universitäten, wo sich diese Bereiche just für solche Sessions zusammengefunden und ihren jeweiligen Support, gemeinsam mit unserem Karriereprogramm http://www.myabilitytalent.org, unserem Job-Portal http://www.myability.jobs und allen unseren Erfahrungswerten, an die Teilnehmer:innen für deren Berufseinstieg vorgestellt haben. -
Wir vom Sozialunternehmen myAbility - als wirkungsfokussiert zertifiziert und als förderberechtigt u.a. vom "Haus des Stiftens" anerkannt - bieten seit Jahren in Deutschland ein Karriereprogramm unter dem Namen "myAbility Talent® Programm" http://www.myabilitytalent.org an. Hier geht es uns darum, sowohl Studierende, Absolvent:innen und Akademiker:innen wie auch teilnehmende Unternehmen beiderseits zu coachen und zu begleiten, damit diese einander kennenlernen, im Zuge eines sog. "Matching Days" in den persönlichen Austausch treten, und sich so jobrelevante Chancen eröffnen.
Alljährlich im Frühjahr, mit frühestmöglichem Start im Januar, bieten wir dieses Programm in Deutschland an (und darüber hinaus auch in Österreich und in der Schweiz), und hierfür stehe ich insbesondere im Herbst in Kontakt mit u.a. Career Centern, Studienberatungen, Behinderten-Beauftragten, DEI-Abteilungen, aber auch Alumni-Büros, an Universitäten und Fachhochschulen quer durch die ganze Bundesrepublik. Auf Nachfrage bieten wir Info-Sessions zum Programm an. Die DVfR hat auch schon einmal über uns berichtet.
Die Teilnahme am Programm ist für Privatpersonen kostenlos, und ein Schwerbehinderten- oder Gleichstellungs-Status ist keine Voraussetzung. Die teilnehmenden Privatpersonen leben allesamt mit einer Behinderung, einer unsichtbaren z.B. chronischen Erkrankung (wie ich) oder haben einen neurodivergenten Hintergrund. Ihre Kompetenzen, Fähigkeiten und Erfahrungen, ihre Interessen und Talente, sowie ihre individuellen Antworten auf die Frage "Was benötige ich, um gut zu arbeiten?" stehen im Fokus aller o.g. Komponenten, die auf das Kennenlernen zwischen ihnen und den Unternehmen vorbereiten. Finanziert wird das Programm durch die teilnehmenden Firmen, die sehr gerne kompetente Fach- und Nachwuchskräfte kennenlernen, und in puncto "aufrichtig gelebte Inklusion in der Arbeitswelt" selber hinzulernen, sich inklusiver und chancengerechter aufstellen möchten.
Im Zuge dieses Programms arbeiten wir seit Jahren z.B. eng zusammen mit den Kolleg:innen von iXNet-ZAV, und wir ergänzen uns hier in unseren jeweiligen Arbeits-Schwerpunkten, da wir komplementär denselben Zweck verfolgen: eine chancengerechte #KarriereOhneBarriere. So haben wir die Möglichkeit, unser Programm im Zuge von deren Veranstaltungskalender vorzustellen (wie heuer am 3.12., dem Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen Veranstaltungen - Karriere Café zu Gast: Vorstellung des myAbility Talent® Programms - iXNet) und gleichzeitig stellen die dortigen Kolleg:innen ihre Unterstützungs-Möglichkeiten im Rahmen unseres Programms sowohl den teilnehmenden Privatpersonen als auch den teilnehmenden Unternehmen vor. An dieser Stelle daher meinen Gruß und ein großes Dankeschön an meinen Vorredner in dieser Diskussionsrunde.
Wer u.a. auch regelmäßig über deren Newsletter auf unser Karriereprogramm hinweist, ist das Team des IBS (Information- und Beratungsstelle Studium und Behinderung) vom Deutschen Studierendenwerk.