Beiträge von Stefanie Schwecke

    Interessant das es bei Ihnen so geht. Wo sind Sie ansässig und wie ist Ihr Ausbildungsprojekt organisiert bzw. finanziert?

    Das ist hier vor Ort nicht möglich, dass die Qualifikation durch jemanden anderen gestellt wird. Nichts desto trotz bin ich für einen Teil der jungen Menschen überzeugt von dem Konzept der Fachpraktiker.

    In Oldenburg führen wir seit 15 Jahren erfolgreich Ausbildungen für Menschen mit Behinderungen in integrativer Form durch. In dieser Zeit konnte allerdings kein einziger Ausbildungsbetrieb für eine kooperative Form der Ausbildung gewonnen werden. Ein wesentlicher Grund hierfür ist tatsächlich der hohe zeitliche und finanzielle Aufwand für die Rehabilitationspädagogische Zusatzqualifikation (ReZA), die für viele Betriebe des allgemeinen Arbeitsmarktes eine kaum zu bewältigende Herausforderung darstellt und enorme Ausgaben beinhaltet.

    Die integrative Form der Ausbildung, wie sie von uns umgesetzt wird, hat sich in der Praxis hier als äußerst wirkungsvoll erwiesen. Sie ermöglicht eine schrittweise, individuell begleitete Annäherung an den allgemeinen Arbeitsmarkt. Durch die intensive Unterstützung durch das Fachpersonal erhalten die Auszubildenden nicht nur eine fachlich fundierte Qualifikation, sondern auch die notwendige sozialpädagogische Begleitung, um den Übergang in das Berufsleben erfolgreich zu gestalten.

    Ein zentraler Erfolgsfaktor sind die zahlreichen begleiteten Praxisphasen in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes. Diese ermöglichen es den Auszubildenden, Erfahrungen zu sammeln und Netzwerke zu knüpfen. Gleichzeitig gewinnen Unternehmen wertvolle Einblicke in das Potenzial der zukünftigen Fachkräfte. In den meisten Fällen führt diese enge Verzahnung zwischen Theorie und Praxis dazu, dass die Auszubildenden nach Abschluss ihrer Ausbildung heimatnah in den Betrieben übernommen werden.

    Umso bedauerlicher ist es, dass in Oldenburg in diesem Jahr keine neuen Ausschreibungen für diese Form der Ausbildung erfolgen. Dies liegt auch daran, dass die Beschulung der Auszubildenden nicht mehr gewährleistet werden kann – trotz des bestehenden Rechtsanspruchs!

    Diese Entwicklung stellt eine erhebliche Einschränkung für junge Menschen mit Behinderungen dar, die auf eine spezialisierte, begleitete Ausbildung angewiesen sind, um eine realistische Chance auf eine nachhaltige berufliche Integration zu erhalten.

    Unsere langjährige Erfahrung zeigt, dass die integrative Ausbildung mit fachlicher Begleitung eine wesentliche Brücke zwischen Schule und Beruf bildet, es ist daher von großer Bedeutung, dass nachhaltige Lösungen gefunden werden, um diese erfolgreiche Ausbildungsform auch weiterhin anbieten zu können.

    Wir müssen weg von dem Vergaberecht!

    Das ist interessant! Wo kann man über "BOGE" mehr erfahren?

    Entschuldigen Sie die verspätete Antwort. Meines Wissens nach wurde dies früher als modular aufgebaute Berufsorientierung über die Seite KOBO angeboten und nachgefragt. Vor zwei/drei Jahren wurde erstmals hieraus keine direkte Beauftragung mehr, sondern eine Vergabemaßnahme. Wir haben als ortsansässiger Bildungsträger zuvor viele Jahre vor Ort zumeist in den ansässigen Förderschulen die "Initiative Inklusion" (früherer Name dieser Module) in Zusammenarbeit mit den Lehrkräften dieser Schulen organisiert. Die Vergabemaßnahme wurde dann aber zeitlich sehr eng mit vielen, vielen Anforderungen an den Bildungsträger gestellt. Dies konnten wir in keiner Weise erfüllen. Leider mussten wir diese "Verknüpfung" zwischen Schule und Beruf dann aufgeben. Den Zuschlag hat dann ein bundesweiter Träger, der nicht vor Ort ansässig ist/war bekommen. Die regionale Expertise ist damit aus unserer Sicht komplett verloren gegangen. Ob dies nach dem 1.Versuch als Vergabemaßnahme fortgeführt wurde, kann ich leider nicht sagen. Die Inhalte sind so nicht einfach einsehbar, da sie über die Vergabeplattformen eingestellt werden. Folgender Link gibt aber einen guten Überblick über die Inhalte und Ziele dieser Module zum Übergang von Schule und Beruf. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass dieses frühere Konzept der Initiative Inklusion unabdingbar für alle Seiten war und einen wichtigen Part abdeckte, der so von den Lehrkräften gar nicht abzudecken ist. Ich hoffe ich konnte Ihnen hiermit weiterhelfen.

    https://www.ausbildungsregion-osnabrueck.de/thema/koordinierungsstelle-bo

    Schwierig ist aus meiner Sicht, dass genau diese Angebote (Reha-Ausbildungen, Unterstützte Beschäftigung, etc) über das Vergaberecht vergeben werden. Wir sind als Träger seit 15 Jahren tätig, haben ein sehr breit aufgestelltes Team und eben auch seit 15 Jahren Erfahrung. Es kann aber passieren, dass nach drei Jahren dann der Zuschlag an einen anderen Träger geht, hier spielt nicht nur die Qualität eine Rolle sondern leider auch der Preis.