Alles anzeigenDie ReZA ist DAS Hindernis für die Verbreitung von Fachpraktiker-Ausbildungen auf dem Arbeitsmarkt und DER Grund, warum diese Ausbildungen weit weit überwiegend außerbetrieblich stattfinden. Das macht die Praxis der Fachpraktiker-Ausbildung tatsächlich zu einem systemfremden Element in unserem Berufsausbildungssystem. Ich erinnere mich, dass außerbetriebliche Ausbildungen (nicht nur im Reha-Bereich) in den 80er Jahren ausdrücklich als Notnagel aufgebaut wurden, weil wir einen erheblichen Mangel an Ausbildungsplätzen hatten. Dabei war immer klar: Die betriebliche Ausbildung muss Vorrang haben, weil sie erfolgreicher bei der Integration in den Arbeitsmarkt ist - durch Lernen in der Praxis und den "Klebeeffekt", die die außerbetriebliche Ausbildung nicht per se bietet und die junge Menschen mit Behinderung sogar noch dringlicher bräuchten als andere.
Insofern ist es sehr nachteilig für junge Menschen mit Behinderung, dass es bisher nicht gelungen ist, die ReZA-Pflicht abzuschaffen.
Wir machen in unserem Ausbildungsprojekt die Erfahrung
- dass den meisten Betrieben nicht bekannt ist, dass der unterstützende Träger die ReZA beisteuern kann (wird in unserem Projekt für unseren unterstützenden Träger von der Kammer so akzeptiert),
- dass es mit Unterstützung durch einen Träger nicht notwendig ist, dass ein Ausbildungsbetrieb selbst über besondere Kenntnisse verfügen müsste. Gutes Jobcoaching führt dazu, dass Ausbilder und Kollegen sich einarbeiten, wie die Zusammenarbeit mit dem Azubi mit Behinderung gut funktioniert,
- dass Kammern die Betriebe zu Fachpraktiker-Ausbildungen ermutigen können, dass aber selbst gut gemeinte Beratung auch das Gegenteil bewirken kann. Wir haben erlebt, dass Betriebe nach einer Beratung von ihrer Ausbildungsabsicht abgerückt sind. Die Beratung hatte offenbar so einprägsam besondere Bedürfnisse der Azubis mit Behinderung und besondere Fürsorgepflicht für diese Azubis betont, dass die Aufgabe die man sich vor der Beratung zugetraut hat, nun zu groß erschien.
Bei aller unbestritten notwendigen Berücksichtigung besonderer Bedürfnisse: Man kann - auch in bester Absicht - die Latte so hoch legen, dass niemand mehr drüber kommt. Das ist aus meiner Sicht durchaus ein Grundproblem, warum wir mit der Inklusion nicht vorankommen.
Interessant das es bei Ihnen so geht. Wo sind Sie ansässig und wie ist Ihr Ausbildungsprojekt organisiert bzw. finanziert?
Das ist hier vor Ort nicht möglich, dass die Qualifikation durch jemanden anderen gestellt wird. Nichts desto trotz bin ich für einen Teil der jungen Menschen überzeugt von dem Konzept der Fachpraktiker.