Als Migrationsbeauftragter der Agentur für Arbeit ist es mir ein großes Anliegen, die Rahmenbedingungen und unsere Herangehensweise an die Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Einwanderungsgeschichte, Fluchterfahrung und (Schwer-)Behinderung umfassend zu erläutern.
Der rechtliche Rahmen und individuelle Förderung
Zunächst ist es essenziell zu verstehen, dass der Aufenthaltstitel – seine Dauer und Art – sowie die damit verbundene Bleibeperspektive grundlegende Parameter für die Integration in den deutschen Arbeitsmarkt darstellen. Diese Kriterien sind maßgeblich, um die passenden Förder- und Unterstützungsmaßnahmen zu identifizieren.
Wir legen größten Wert darauf, dass diese Menschengruppen nicht benachteiligt werden. Gleichzeitig müssen wir die gesetzlichen Vorgaben und Rahmenbedingungen einhalten, insbesondere unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit unserer Förderprogramme. Jeder Förderfall wird daher individuell geprüft. Unsere Vermittlungs- und Beratungskräfte stützen sich dabei nicht nur auf die gesetzlichen Regelungen, sondern auch auf fachliche Weisungen, die als Leitlinie dienen. Diese sind jedoch nicht starr, sondern mit Ermessen anzuwenden, was unseren Beraterinnen und Beratern einen nötigen Spielraum zur optimalen Unterstützung der individuellen Situation ermöglicht.
Zusammenarbeit mit anderen Behörden und der Abbau von Vermittlungshemmnissen
Die erfolgreiche Integration erfordert ein enges Zusammenspiel mit anderen Behörden, wie z.B. dem BAMF, dem Landesamt für Einwanderung, Jobcenter, Inklusionsämtern und weiteren Partnern. Nur durch diese koordinierte Zusammenarbeit können wir kohärente und effiziente Unterstützungsprozesse gewährleisten und die vielfältigen Vermittlungshemmnisse – wie Sprachbarrieren, fehlende Anerkennung von Qualifikationen oder gesundheitliche Einschränkungen – effektiv angehen.
Es ist uns bewusst, dass jede Behörde ihren spezifischen Auftrag erfüllen muss. Dieses Zusammenspiel lässt sich mit einem Orchester vergleichen: Wenn alle ihren Part perfekt beherrschen und aufeinander abstimmen, entsteht ein harmonischer Klang. Wir wissen jedoch auch, dass wir in der Praxis noch sehr weit von diesem idealen Klang entfernt sind. Als Beispiel sei genannt, dass unsere eingeleiteten Maßnahmen und Strategien im Asylverfahren selbst oft keine grundlegende Rolle spielen. Daher müssen wir in manchen Fällen erst eine Entscheidung abwarten, um weiter agieren zu können. Dennoch streben wir, beispielsweise in Berlin, seitens der Agentur für Arbeit einen sehr humanen Ansatz an und nutzen die Möglichkeiten des Ermessens, um den bestmöglichen Weg für die betreuten Menschen zu ebnen. Grundsätzlich gehen wir von positiven Perspektiven aus und planen langfristig, was aber nicht immer auf vollständiges Verständnis stößt.
Besondere Unterstützung und die Rolle der Netzwerkpartner
Die Integration in den Arbeitsmarkt für Menschen mit einer (Schwer)-Behinderung oder diesen gleichgestellten Menschen bedarf oftmals einer besonderen Unterstützung. Gleiches gilt für Personen, die Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (kurz: Berufliche Rehabilitation) benötigen. Hierbei müssen wir insbesondere die persönliche, soziale und gesundheitliche Situation der Betroffenen berücksichtigen.
Zur optimalen Betreuung solcher komplexen Fälle werden spezialisierte Reha/SB-Teams eingesetzt, deren Fachkräfte auf diese spezifischen Bedürfnisse eingehen können. Da diese Teams naturgemäß nicht sehr groß sind, ist es wichtig, geregelte Überstellungskriterien intern zu vereinbaren, damit betroffene Menschen diese spezielle Beratung in Anspruch nehmen können. Die Beratungsgespräche sind auch anders getacktet, daher muss man diese Ressourcen sehr effizient nutzen.
Generell können auch die Arbeitsvermittler in der regulären Arbeitsvermittlung (bis eine Überstellung nach Kriterien möglich ist) vorhandene Förderinstrumente einsetzen, Vermittlungshemmnisse identifizieren und eine passende Vermittlungsstrategie mit Förderinstrumenten entwickeln.
An dieser Stelle möchte ich die Zusammenarbeit mit unseren Netzwerkpartnern besonders hervorheben und belohnen. Ihr unermüdlicher Einsatz und ihre Expertise sind für uns von unschätzbarem Wert. Sie ermöglichen es uns, passgenaue und innovative Lösungen anzubieten, die wir als Bundesbehörde allein nicht umsetzen könnten.
Ein hervorragendes Beispiel für eine solch erfolgreiche Partnerschaft ist das Projekt DiaLOG-IN der Johannesstift Diakonie. Dieses Projekt ist ein Paradebeispiel dafür, wie durch gezielte Sprachförderung und intensive Begleitung Menschen mit Migrationshintergrund und Behinderung erfolgreich in den Arbeitsmarkt integriert werden:
* DiaLOG-IN bietet maßgeschneiderte Sprachkurse an, die speziell auf die Bedürfnisse dieser Zielgruppe zugeschnitten sind.
* Es kombiniert Sprachlernen mit umfassendem Integrations- und Jobcoaching, um individuelle Vermittlungshemmnisse abzubauen und den Weg in die Beschäftigung zu ebnen.
* Die intensive Betreuung und die Verknüpfung von Sprachkenntnissen mit berufsbezogenen Fähigkeiten sind entscheidend für den Erfolg.
Solche Projekte sind der lebende Beweis dafür, dass die besten Ergebnisse durch Kooperation und einen ganzheitlichen Ansatz erzielt werden. Ich wünsche mit viel mehr solcher Projekte und eine Ausdehnung auch auf Menschen mit jeden Aufenthaltsstatus.
Zusätzlich sind auch die Austauschrunden mit Netzwerkpartnern, wie z.B. dem AK Inklusion Geflüchteter mit Behinderung in Beschäftigung von Bridge und dem Fachforum Migration und Behinderung von AWO Landesverband Berlin e.V. sowie LIGA-Austauschrunden, eine ideale Plattform, um Transparenz zu schaffen und gezielt Lösungen zu entwickeln.
Ich bedanke mich für die wertvollen Informationen und Unterlagen, die Sie uns zur Verfügung gestellt haben. Es ist entscheidend, dass wir die spezifischen Probleme und Barrieren verstehen, um regional gezielte Unterstützung anzubieten. Die Agentur für Arbeit ist engagiert, durch ihre Leistungen die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und Behinderung aktiv zu fördern und erfolgreich in den Arbeitsmarkt zu führen. Fast jedem Haus der Agentur für Arbeit und JobCenter gibt es Migrationsbeauftragte, welche für diese Personengruppe unterstützend wirken können. Ich werde von meiner Seite auch diese Informationen, Anregungen und Wünsche an unsere Regionaldirektion spiegeln. Vielen Dank für diesen Input.