Mal aus der Sicht eines Betroffenen

  • Hallo und liebe Grüße,


    Ich heiße Christoph bin 46 Jahre alt. Naja in ein paar Tagen 47.

    Ich weis nicht ob mein Beitrag hier her gehört oder stört :) Wenn letzteres bitte löschen ;)


    Ich selbst bin Arbeitspädagoge Reha und Suchtkrankenhelfer.


    Ich habe die letzten Jahren im Kinder und Jugendpsychiatrischen Bereich gearbeitet. Also von geschlossene HPE über jugendpsychiatrischen Wohngruppen, und auch als selbstständiger, für das Jugendamt, als Familien und Jugendhelfer.

    Ich habe dann diverse Bandscheibenvorfälle bekommen. Degeneratives Wirbelsäulensyndrom um genauer zu sein. Des Weiteren habe ich eine schwere Diabetes und eine schlimme Polyneuropathie. Eine Eiergroße Gehirnzyste wurde auch festgestellt. Die macht ein Pseudotumor Cerebri. Also der druck im Gehirn wird manchmal zu groß. Leider nicht behandelbar. Das wars aber noch nicht. Kommt noch was.....


    Nach einer Reha und diversen schulischen Tests habe ich einen LTA Antrag gestellt.

    Ich war im Juni 2020 noch guter Dinge. Ich wurde für die Umschulung zu Verwaltungswirt zugelassen. Denn gesundheitlich ging es da schon Berg ab jedoch wusste ich das da noch nicht so wirklich.


    Durch Corona wurde die Umschulung erst unterbrochen (März 2021) und letzten Endes im April 2022 beendet, ich sei zu krank. Nach Widersprüchen und Co. habe ich mich da gefügt.

    Die DRV stellt sich eh richtig doof hin.

    Denn für die Umschulung zu krank, für Reha-Klinik zu Krank (keine Verbesserung für den Arbeitsmarkt, ich soll doch bitte ins Krankenhaus, wörtlich genau so!), für Erwerbsminderungsrente zu gesund, ich soll Arbeiten.


    Ich denke, ja ich bin Krank, ja..... ich will Reha, damit ich gesünder werde , und aber vor allem, will ich wieder was Arbeiten. Ich fühle mich gerade sehr nutzlos.


    Leider ist es dann so gekommen das ich von 2022 plötzlich an Gewicht verloren habe. ||

    Bis jetzt 45 Kg. von 140 auf 95 Kg.

    Meine Muskeln, warum auch immer, bauen ab. Ich habe keine Waden oder Oberschenkelmuskeln mehr. Ich bin dann auch noch schwer an der Gürtelrose erkrankt. Die schmerzen die man da hat, kann sich keiner Vorstellen. ;(

    Dann wurde die Schilddrüse dick.

    Hier wurde dann auch noch ein Kropf festgestellt und eine Unterfunktion.

    Zu guter Letzt habe ich dann Zoster Otikus bekommen. Also die Gürtelrose im Ohr. Dadurch habe ich eine Halbseiten-Gesichtslähmung und mir wurde der Gleichgewichtssinn zerstört. :cursing: :cursing: :cursing: :cursing:


    Ich habe jetzt Pflegegrad 2, auch nach Widerspruch und 6 Monaten Wartezeit und sehr vielen Beleidigungen :cursing: <X . Denn mit 46 braucht man kein Pflegegrad. :thumbdown: Mein GdB wurde auf 70 % mit "G" unbefristet erhöht und ich habe nach einem Widerspruch <X die volle EmR für 3 Jahre bekommen. Ich bekomme aufstockend Sozialhilfe ab dem 01.07.2023.


    Ich warte immer noch drauf das die DRV mir eine Reha genehmigt. :cursing:

    Ich schreibe es nur so ausführlich, damit man weis, was ich so machen musste um meinen jetzigen "Stand" zu bekommen. Also sehr viel streit und Widersprüchen. Gutachtern ect. . Also wirklich heftig an stress. ;(


    Dadurch das ich mich um meine Gesundheit kümmern möchte, habe ich recht viel gelesen.


    Letzten enden habe ich im Seniorenbüro über das persönliche Budget erfahren. Ich selbst kannte dieses Budget nur für 100 % Behinderung im WfBM Bereich.


    Ich versuche es zu verstehen aber ganz ehrlich. No Way :rolleyes: :sleeping:

    Ich bin wirklich kein doofi, ich habe Familien geholfen div. Anträge zu stellen und habe bei dem Behörden Jungle geholfen, aber das ist mir zu hoch. :thumbdown:


    Ich habe folgende Wünsche:


    • Ich möchte jemanden haben, der mir hilft zum einen das "B" für meinen Behindertenausweis zu beantragen. Ich würde mir das, wegen Bus und Bahn, wünschen. Damit ich einen Helfer mitnehmen kann, ohne das ich ein Fahrschein bezahlen muss.
    • Ich würde mir jemanden wünschen der mit mir Einkaufen gehen kann, oder mich zu Ärzten begleitet. Wegen dem Rollator und Bus und Bahn.


    Ich kann wegen dem zerrstörten Gleichgewichtssinn nicht mehr ohne Rollator laufen. Ich falle wo ich stehe. Die Polyneuropathie und Bandscheiben, ist da auch nicht hilfreich. Ich muss daher einen Rollator benutzen.


    • Durch den Rollator und die Reaktionen in der Öffentlichkeit, Isoliere ich mich. Ich würde mir hier jemanden wünschen der mir in den Allerwertenten tritt. Und mit mir was macht.
    • Ich würde gerne in ein Fitnessstudio. Um Muskeln aufzubauen. Aber die Krankenkasse und auch die DRV würden das so nicht bezahlen. Ich würde ja Hilfe brauchen, bei wechseln der Geräte, und auch den weg wegen Bus und Bahn.

    Denn ich muss noch sagen das ich nach dem Zoster unter sehr heftigen Schwindel Attacken leide.

    Beim Bus fahren oder auch Auto und Zug, wird mir granatenmäßig schlecht, wegen dem Rütteln und schwanken.


    • Ich würde gerne eine "Umschulung" online oder mit Wechsel Online und Präsenzunterricht machen. Ich könnte mir irgendwas als Berater vorstellen. Das würde mir gefallen, und auch meinem Vor-Beruf entsprechen. Ich möchte wieder Teil von was sein.

    Aber auch das wird die DRV nicht einfach so machen. Bei mir hier in der Stadt gibt's auch ne Uni. Ich könnte mir auch was vorstellen zwischen Onlineunterricht und Präsenzunterricht. Aber auch hier würde ich Hilfe brauchen.


    Wovor ich Angst habe.


    • Ich brauche den Pflegegrad.

    Ich kann hier nicht verzichten.

    Ich werde 2 mal die Woche von einem Pflegedienst betreut. Es ist zwar sehr beschämend für mich, aber zur Sicherheit, wegen echt sehr schlimmen stürzten in der Dusche, von Nöten.

    Wenn der Wegfällt, dann habe ich ein Problem.

    Ich habe Angst das sich hier was ändert. Es läuft gerade und dafür habe ich echt gekämpft. ?(

    • Angst das sich was am jetzigen GdB ändert wenn ich das "B" beantrage.
    • Angst, das ich auf einmal ohne irgend ein Pfennig da sitze. :rolleyes:

    Ich habe gelesen, dass wenn was für das Budget genehmigt wird, dass auf die Sozialhilfe angerechnet wird. Das ist ja auch OK ! Aber wenn ich keine Gelder mehr wegen der Miete hätte. naja. Ich habe jetzt nur keine finanzielle Lücke, da ich 4 Monate bevor ich Sozialhilfe bekomme, angefangen habe Unterlagen einzureichen.


    Die Angst finde ich berechtigt, da ich ja schon einen Brief vom Amt bekommen habe, das ich wegen Wohnraumkostensenkung, eine andere Wohnung suchen soll.

    • Und ich habe Angst, das wenn ich mit den Einrichtungen EUPD oder wie das heißt rede, damit ein Stein in Bewegung gerät, den ich nicht mehr stoppen kann. Alleine die Abkürzung klingt nach Amt. Das finde ich beängstigend. =O
    • Und was ist wenn mich dann keine mehr unterstützt. Wie geht's weiter? Wies ich vorher, was ich genau für was, bekomme? Hier hängt ja meine "Existenz" auf dem spiel. Ich rede nicht vom Leben denn das habe ich gerade eh nicht :/
    • Was wenn das Sozialamt oder Jobcenter oder DRV sich Querstellen? :/ Sitze ich dann alleine da?

    Das macht mir Angst und Sorge. Aber mir macht auch der Stillstand in meinem Leben Sorge. Ich denke das genau so viele in der Zwickmühle stecken und deswegen viele Angst habe sich zu melden oder sich beraten zu lassen.


    VG

  • Hallo Christoph,

    das hört sich nach einer echt schwierigen Situation an. Ich würde mich an Ihrer Stelle an 2 Stellen wenden: einmal die EUTB in Ihrer Nähe für die Beratung, mit welchem Thema Sie wie anfangen und für die sozialrechtliche Beratung würde ich Ihnen den VdK oder SoVd empfehlen. Welcher Verband besser ist, hängt davon ab, wie lange die Wartezeiten auf einen Termin in Ihrer Region sind. Da würde ich einfach mal vor der Mitgliedschaft anrufen und nachfragen...


    Aber ich finde das eine spannende Frage, die ich gerne in die Runde geben würde: Was ist aus Ihrer Sicht der 1. Ansprechpartner in so einer komplexen Situation? Würden Sie sich auch an EUTB und VdK bzw. SoVd wenden oder an eine ganz andere Stelle?


    Viele Grüße

    Erwerbsminderungs-Rentnerin

  • Lieber Christoph,


    aus meiner EUTB-Sicht folgendes:


    Es ist gesetzlicher Auftrag der Eingliederungshilfe, Dich zu beraten, welche EGH-Leistungen für Dich in Frage kommen, um die Dinge machen zu können, die Du ohne Assistenz nicht machen kannst, zB

    Die EGH muss Dir auch das "Persönliche Budget" erklären: Dass Du bei Sozialer Teilhabe auch einen Geldbetrag erhalten kannst, um Dir diese Unterstützungen /Assistenten selbst einzukaufen, zB per Minijob anzustellen.

    So ein Budget wirkt sich übrigens nicht auf Deine Leistungen zum Lebensunterhalt aus, also Deine Grundsicherung. Die wird nicht gekürzt o.ä. Das sind zwei paar Schuhe.

    Mit dem Jobcenter hast Du übrigens zZ nichts zu tun. Aus diesem Leistungssystem bist Du wegen der vollen Erwerbsminderung "raus".


    All das kann Dir auch (hoffentlich) die EUTB in Deiner Nähe erklären und Dir dann helfen, einen Eingliederungshilfe-Antrag zu stellen. Der ist mühsam, aber kein Zauberwerk.

    Wichtig ist: Es geht immer um Unterstützungsleistungen für Deine behinderungsbedingten Einschränkungen, also zB um die Assistenz im Fitness-Studio, nicht aber um den Beitrag selbst dort (Mitgliedskosten).

    Begleitung zu Ärzten und beim Einkaufen sind übrigens (i.d.R.) keine EGH-Leistungen, sondern Begleitungen, die Du über die Pflegekassenleistungen einkaufen kannst. Wie, das würde hier den Rahmen sprengen.


    Eine EUTB hilft Dir auch, ein "B" im SBA beantragen. Und erklärt Dir auch, welches "Fass" das Versorgungsamt dann aufmacht.


    Für die rentenrechtlichen Anglegenheiten gibt es auch bei der DRV Reha-Beratungen überall im Land. Da Deine EMR befristet ist, kannst Du natürlich dort über Deine Wünsche nach Umschulung o.ä. sprechen. Worum Du nicht herumkommst, wird eine erneute Prüfung sein, ob die DRV Dich dazu gesundheitlich in der Lage sieht. Das ist i.d.R. eine Prüfung nach Aktenlage nach den eingereichten medizinischen Unterlagen. Wenn Du eine Reha bewilligt bekommst, kommt es auf das "Kreuzchen" im Entlass-Bericht an, wie viele Stunden die Dich wieder als erwerbsfähig ansehen. Und was Du mit dem Arzt besprichst, der diesen Bericht schreibt.


    Ja, es sind viele Aspekte und unterschiedliche Leistungssysteme. Aber genau dafür, durch diesen "Dschungel" zu begleiten, gibt es EUTBs und natürlich (!) die vorrangige Beratungspflicht aller Reha-Träger, die sich nicht auf ihr Kuchenstück beschränkt. Das wurde hier ja schon mehrfach betont.

    Ich wollte und will hier übrigens keine Einzelfallberatung machen, sondern nur ein bisschen etwas aufdröseln. Das braucht Zeit! Auch Zeit und Ruhe in einer Beratung. Ich wünsche Dir, dass Du so eine Beratung findest!

  • Hallo zusammen, die Ratschläge in Richtung EUTB und VdK/SoVD kann ich nur unterstützen.


    Zudem möchte ich darauf hinweisen, dass für pflegebedürftige Menschen Alltagshilfen und Begleitung mit 125,- Euro mtl. bezuschusst werden. Das wissen ganz viele nicht, 80% stellen keinen Antrag. Wenn man schnell Antrag stellt, kann man noch Geld für 2022 bekommen! Zufällig heute im DLF-Radio gehört. Der Beitrag findet sich hier:



    Ansonsten kann ich nur raten, keine Angst zu haben. Nach meiner Erfahrung sollte man bis vor das Sozialgericht durchhalten. Dort bekommt man meist Recht - vorher ist es schwierig. Alles kostenlos - Unterstützung durch VdK/SoVD aber sehr ratsam und preiswert.


    Die DRV ist Kostenträger für berufliche Reha (Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben) auch bei EM-Rente, findet aber gerne die von Ihnen genannten und andere Ausflüchte. Sie gibt vor dem Sozialgericht aber öfter nach. Die Rechtslage ist nämlich recht eindeutig. Angesichts Ihrer vielen Beeinträchtigungen, würde ich aber vermuten, dass die gesundheitliche Versorgung und Alltags-Stabilisierung im Vordergrund stehen sollte.


    Die Kollegin spricht zu Recht die Eingliederungshilfe nach §90 ff SGB IX an. Auch hier ist die eigentlich nach §106 SGB IX verpflichende Beratung und Unterstützung (schon bei der Antragstellung !) oft ein Problem. Sie ist aber auf Antrag zur umfassenden Bedarfsermittlung (Gesamtplan-Verfahren) verpflichtet. Dabei kann auch durchaus ermittelt werden, dass bespielsweise ein gezieltes Training im Fitness-Studio gefördert wird. Auch hier: keine Angst! In Köln wurden auch solche Hilfen von der LVR-Eingliederungshilfe bewilligt (zust. Leitung: Herr Dr. Schartmann, wirkt hier im Forum mit).

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    Zudem möchte ich darauf hinweisen, dass für pflegebedürftige Menschen Alltagshilfen und Begleitung mit 125,- Euro mtl. bezuschusst werden. Das wissen ganz viele nicht, 80% stellen keinen Antrag. Wenn man schnell Antrag stellt, kann man noch Geld für 2022 bekommen! Zufällig heute im DLF-Radio gehört."


    Leider, lieber Herr Becker, steht diese Hilfe meist nur auf dem Papier: Sie können diesen Betrag nur über einen zugelassenen Dienst (Landesrecht) abrechnen, nicht privat. Und die meisten finden keinen Dienst mit Kapazitäten. Ich zB auch nicht...

    Irgendwo gab es mal eine Statistik, wie viele dieser Gelder nicht abgerufen werden (können) - es sind Millionen. Die sparen die Pflegekassen ein.


    Und was die Klagen angeht, bin ich leider auch anderer Meinung als Sie: Das ist für viele wirklich KEINE Optionen - aus Zeit-, Geld und Nervengründen... Dazu könnte ich viel schreiben. Das sprengt aber hier den Rahmen. Unser gemeinsames (!) Ziel muss doch sein, dass Leistungsberechtigte OHNE Widerspruch und ohne Gerichtsverfahren zu Ihrem Recht kommen und zu den Leistungen, die sie für ein selbstbestimmtes Leben brauchen. Und da sind - sorry, dass ich das so klar sage - im Vorfeld wirklich noch viele viele Stellschrauben, an denen wir drehen können und müssen, bevor wir alle auf den Rechtsweg verweisen.

  • Ich möchte gerne Herrn Becker bestätigen: die genannten Bedarfe können prinzipiell im Rahmen der Leistungen zur sozialen Teilhabe gedeckt werden - es kommt hier tatsächlich auf den Einzelfall an. Ich kann auch hier nur ermuntern, einen Antrag zu stellen, damit das Verfahren in Gang kommt. Natürlich müssen wir als zuständiger Leistungsträger den Antrag prüfen, das ist nunmal unsere gesetzliche Aufgabe. Dazu gehört auch, welche Ziele mit den Leistungen zur Teilhabe erreicht werden sollen und welche Leistungen zur Erreichung der Ziele voraussichtlich erfolgreich sind.