Wie finde ich einen Job im Rahmen des Budgets für Arbeit?

  • Hallo zusammen,


    als volle Erwerbsminderungsrentnerin aufgrund psychischer Erkrankung suche ich seit 1 Jahr intensiv im Raum Mainz nach einem Job im Budget für Arbeit. Da ich BWL studiert und vor meiner Erkrankung 10 Jahre verantwortungsvoll gearbeitet habe, suche ich eine Tätigkeit, die inhaltlich anspruchsvoll ist, aber ohne Druck / Stress abläuft. Es ist ein seeeeehr mühsamer Weg. Da ich nicht (mehr) in einer WfbM beschäftigt bin, bin ich sehr auf mich gestellt. Zwar hatte ich zwischenzeitlich Unterstützung durch eine EUTB und einen IFD, aber auch die konnten mir nur Mut machen, mich weiter auf dem freien Arbeitsmarkt zu bewerben. Sie konnten mir keine Unternehmen vermitteln, die für dieses Konstrukt offen sind. Das ist für mich ein großes Problem, da ich bei meinen Bewerbungen die Erfahrungen machen musste, dass kaum Bereitschaft besteht, jemand mit Einschränkung einzustellen, auch wenn es eine starke Förderung gibt. Aus meiner Sicht braucht es eine Art "Stellenbörse" für Plätze im Rahmen des Budgets für Arbeit oder zumindest eine Liste mit Unternehmen, die offen sind, Menschen mit Behinderung über das Budget für Arbeit einzustellen. Gibt es so etwas in einzelnen Bundesländern schon?


    Außerdem ist meiner Meinung nach die Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Budget für Arbeit auf einfache Jobs für Menschen mit oft kognitiver Beeinträchtigung ausgelegt. Ich glaube aber nicht, dass ich als qualifizierte Person mit seelischer Erkrankung ein Einzelfall bin.


    Freundliche Grüße aus Mainz

  • Guten Morgen in die Runde,

    ich möchte ein paar Zeilen auf den Beitrag der Rentnerin, die am Dienstag geschrieben hat, antworten. (Da Sie sich nicht mit Namen vorgestellt haben, schreibe ich Sie anonym an).

    Sie suchen als Betriebswirtschaftlerin einen Job mit dem Budget für Arbeit. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, sind Sie wegen Ihrer Erkrankung/Behinderung in einer WfbM beschäftigt gewesen und jetzt mit einer Erwerbsminderungsrente zu Hause. Sie könnten theoretisch mit dem Budget für Arbeit eine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt aufnehmen. Die Suche nach einem geeigneten Arbeitgeber ist dabei ein Problem. Die Agenturen für Arbeit sind in dem jetzigen gesetzlichen Rahmen nicht für eine Vermittlung zuständig, weil im Budget für Arbeit davon ausgegangen wird, dass die/der Budgetnehmer(in) weiter voll erwerbsgemindert bleibt und dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung steht. Deshalb sind bisher auch keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung im Budget für Arbeit abzuführen.

    Sie müssten sich demzufolge selbst einen passenden Arbeitgeber suchen und ihn von ihrer Leistungsfähigkeit und -bereitschaft überzeugen.

    Die neu gegründeten einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber, die in allen Bundeländern die Aufgabe haben, Arbeitgebende zu beraten und zu unterstützen, haben direkten Kontakt zu Arbeitgebenden und wissen in der Regel, für welche Stellen geeignete behinderte Menschen gesucht werden. Sie sind zwar nicht für eine Vermittlung zuständig, können aber sicher Kontakte herstellen. Ich empfehle Ihnen daher, sich vertrauensvoll an das Integrationsamt bzw. den Integrationsfachdienst zu wenden.

    Die Idee, eine Jobbörse für derartige nachfragen zu etablieren, finde ich zielführend. In Sachsen-Anhalt arbeiten wir bereits daran, so etwas aufzubauen.

    Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz.

    Herzliche Grüße

  • "Die Agenturen für Arbeit sind in dem jetzigen gesetzlichen Rahmen nicht für eine Vermittlung zuständig, weil im Budget für Arbeit davon ausgegangen wird, dass die/der Budgetnehmer(in) weiter voll erwerbsgemindert bleibt und dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung steht. Deshalb sind bisher auch keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung im Budget für Arbeit abzuführen."

    Aus meiner Sicht einer der vielen "Web-Fehler" des Budgets für Arbeit.

  • Ja, das ist richtig. Dieses Problem wurde von den Ländern im Rahmen einer Gesetzesinitiative an den Bund herangetragen und soll in naher Zukunft im gesetzlichen Rahmen angepasst werden.

    Hoffen wir, dass es im parlamentarischen Raum dafür auch entsprechende Mehrheiten gibt.

  • Wie alle neuen Instrumente braucht es Zeit, bis neue und vor allem auch individuell ausgerichtete Instrumenten bei uns allen angekommen sind. Leider passiert dies aber nicht automatisch. Obwohl es beispielhaft das Recht auf ein Persönliches Budget im Rahmen von Reha-Leistungen gesetzlich schon seit vielen Jahren verankert ist, wird das Persönliche Budget viel zu selten bis kaum oder auch nicht genehmigt. Da das Persönliche Budget so auch nur wenig erprobt wird, bleibt es leider sperrig bis kompliziert, weswegen es dann vielleicht auch wieder nicht gerne eingesetzt wird.


    Insbesondere in der Kombination mit einem BiAP-Arbeitsplatz als erster Beschäftigungseinstieg in ein Unternehmen dee allgemeinen Arbeitsmarktes bietet das Budget für Arbeit eine wichtige Beschäftigungsbrücke in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hinein. Mittlerweile erlebe ich persönlich in der Zusammenarbeit mit inklusionserfahrenen Unternehmen, dass das Budget für Arbeit als möglicher Einstiegsweg, vielleicht dann auch langfristig im Sinne einer unterstützten Beschäftigung, in den Personalplanungen angekommen ist.


    Sollen Wege in den inklusiven Arbeitsmarkt für kognitiv und seelisch beeinträchtigte Menschen zu einer Gesellschaftsnorm werden, müssen individuelle Instrumente wie beispielhaft das Persönliche Budget, BiAP / betriebsintegrierte Arbeitsplätze einer Werkstatt für behinderte Menschen, InbeQ / UB- Unterstützte Beschäftigung, betriebliche Reha-Ausbildung, Budget für Ausbildung, Budget für Arbeit, ein bedarfsorientierte, vielleicht sogar dauerhaftes Jobcoaching den heute etablierten Maßnahmen und Angeboten der Leistungsträger zwingend gleichgestellt werden.

  • Warum sollten Menschen glauben, dass ein "Budget für Arbeit" eine "Beschäftigungsbrücke in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hinein" ist? Seit Jahrzehnten wird auch behauptet, eine WfbM sei keine "Endstation", sondern absolut durchlässig und würde wunderbar auf den 1. Arbeitsmarkt als Reha-Maßnahme "vorbereiten". Die Zahlen sprechen ganz klar eine andere Sprache!

  • Ich finde es sehr schade, dass auch einzelne Erfolge, wie ich sie in Sachsen- Anhalt erlebe im Budget für Arbeit, zu wenig wertgeschätzt werden. Wir neigen leider viel zu sehr dazu, das, was nicht so gut funktioniert, zu verallgemeinern. Ich kann Frau Labruier nur zustimmen, dass es immer Zeit braucht, bis neue gesetzliche Instrumente bei einer breiten Teilehmerzahl angekommen sind. Deshalb sind sie aber im Ansatz nicht schlecht. Sie müssen von gut gelungenen Einzelfällen profitieren, um noch mehr Menschen zu erreichen. Und dass die Budgets für Arbeit in Deutschland nicht in Größenordnungen existieren, liegt eben auch daran, dass es hier um Einzelfälle geht. Aber auch für diese Einzelfälle sollten Verantwortliche kämpfen. Sie bringen uns alle näher an die Ziele der Inklusion.